Cemre Kara

July 2026
Cemre Kara ist eine in den Niederlanden lebende Designerin und künstlerische Forscherin, die sich in ihrer Arbeit mit der Rolle der Sinne bei der Gestaltung menschlicher Erfahrungen, sozialer Interaktion und räumlicher Wahrnehmung auseinandersetzt. Sie schloss 2021 ihr Studium an der ArtScience Interfaculty der Königlichen Kunstakademie in Den Haag (KABK) ab und war Stipendiatin an der Jan-van-Eyck-Akademie in Maastricht.
Kara arbeitet in den Bereichen Performance, Installation und partizipative Formate und schafft immersive Umgebungen, die das Publikum durch sensorisches Storytelling einbeziehen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen häufig Essen, Geruch und körperliche Erfahrung als Mittel, um kulturelle Normen und soziale Verhaltensweisen zu hinterfragen. In frühen Arbeiten wie „Elbows on the Table“ untersuchte sie, wie Essrituale und Tischmanieren konstruiert sind und wie sie als Mechanismen fungieren, die soziale Interaktion regulieren und Konflikte abbauen. Ihr Abschlussprojekt wurde sowohl mit dem ArtScience Department Award als auch mit dem iii Research Residency Award ausgezeichnet.
In nachfolgenden Projekten erweiterte Kara ihre Forschung auf die Beziehung zwischen Menschen und Küchentechnologien und entwickelte experimentelle Werkzeuge sowie performative Essenssituationen.


cemrekara.com

Ihr Langzeitprojekt „[dis]comfort food“ lädt die Teilnehmenden zu interaktiven Abendessen ein, bei denen vertraute Essgewohnheiten und der Umgang mit Besteck auf den Kopf gestellt werden, um zum Nachdenken über westliche Essgewohnheiten, koloniale Geschichte und die in alltäglichen Gesten verankerten politischen Zusammenhänge anzuregen.
In jüngerer Zeit hat sich ihre Arbeit in Richtung Geruchsforschung und sensorischer Kartierung verlagert, wobei sie den Geruch als Medium zum Verständnis von Ort, Erinnerung und Atmosphäre untersucht. Durch wanderbasierte Methoden und materielle Experimente entwickelt sie alternative Formen der Archivierung, die die visuell dominierten Arten der Wahrnehmung von Umgebungen hinterfragen.
Karas Praxis basiert auf Forschung und Zusammenarbeit und bezieht häufig Workshop-Formate, kollektive Erfahrungen und Ansätze der Bürgerwissenschaft mit ein. Indem sie Kunst, Design und soziale Forschung miteinander verbindet, schafft sie Räume, in denen das Publikum zu aktiven Teilnehmenden wird und sich kritisch mit seiner sensorischen Umgebung und den sie prägenden kulturellen Systemen auseinandersetzt.