Archiv der Gerüche:
Landschaft InSILo
13.07.2026

Das „Archiv der Gerüche“ schlägt eine erweiterte Form einer forschungsorientierten künstlerischen Praxis vor, die untersucht, wie Landschaften über den Geruchssinn erlebt, in Erinnerung behalten und archiviert werden können. Das während des Aufenthalts bei InSILo entwickelte Projekt lenkt den Fokus weg von den vorherrschenden visuellen Kartierungsmethoden und nutzt stattdessen den Geruchssinn als primäres Instrument zum Verständnis von Raum. Auf diese Weise offenbart es eine unsichtbare, aber zutiefst affektive Ebene eines Ortes – eine Ebene, die eng mit Erinnerung, Atmosphäre und Umweltprozessen verbunden ist.

Im Kern betrachtet das Projekt den Geruch sowohl als materiell als auch als vergänglich: als etwas, das durch dynamische Wechselwirkungen zwischen Boden, Vegetation, klimatischen Bedingungen und menschlichem Handeln entsteht. Trotz seiner Vergänglichkeit besitzt der Geruch die einzigartige Fähigkeit, Erinnerungen zu verankern und die Wahrnehmung zu prägen. Dieses Paradoxon – zugleich flüchtig und zutiefst beständig zu sein – macht den Geruchssinn zu einem kraftvollen, aber bislang noch wenig erforschten Medium für künstlerische Forschung und Archivierung.
Während des Residence-Aufenthalts wird die Landschaft rund um Hollabrunn zu einem lebendigen Labor. Die Methode basiert auf Gehen als einer Form der verkörperten Forschung. Durch wiederholte „Geruchsspaziergänge“ durchstreift die Künstlerin vielfältige Umgebungen wie landwirtschaftliche Felder, Stadtränder und Naturlandschaften und achtet dabei genau auf subtile atmosphärische Veränderungen. Das Gehen dient nicht nur als Methode der Datenerhebung, sondern auch als performativer Akt, der den Körper in die Landschaft einbettet und es ermöglicht, Sinneswahrnehmungen in Echtzeit zu entfalten.
Im Laufe dieser Spaziergänge werden duftende Materialien identifiziert und gesammelt. Die daraus entstehende Sammlung bildet ein wachsendes Geruchsarchiv, in dem jede Probe als sensorisches Fragment eines Ortes fungiert. Anstatt eine wissenschaftliche Klassifizierung anzustreben, thematisiert das Archiv Subjektivität und erkennt die Rolle persönlicher Erinnerungen, emotionaler Reaktionen und assoziativen Denkens bei der Gestaltung olfaktorischer Erfahrungen an.
Das Projekt stellt letztlich die Frage, wie wir Landschaften anders verstehen könnten, wenn wir dem, was nicht sichtbar ist, Vorrang einräumen. Welche Formen des Wissens entstehen, wenn wir einatmen, anstatt zu beobachten? Wie kann der Geruch verborgene Zusammenhänge zwischen Umwelt, Zeit und menschlicher Präsenz offenbaren?